Der 5. März

Nicht zum ersten Mal finden am 5. März Demonstrationen, Kundgebungen und zahlreiche andere Veranstaltungen anlässlich der Bombardierung von Chemnitz 1945 statt. Die letzten Jahre kurz zusammengefasst.

„Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun,
sondern auch für das, was wir widerspruchslos hinnehmen.“
Arthur Schopenhauer

Diesen Ausspruch können sich viele Chemnitzer zu Herzen nehmen. Denn auch wenn sich die Öffentlichkeit in den letzten 2 bis 3 Jahren immer offensiver gegen den den sogenannten „Trauermarsch“ der Nazis stellt, ist nur wenigen bewusst, dass die Nationalsozialisten den 5. März schon seit 2005 für die Verbreitung ihrer menschenverachtenden Ideologie nutzen. Von 2005 bis 2007 fanden kleinere Trauerveranstaltungen der Faschisten am alten Kinderheim in Bernsdorf statt, außerdem 2006 die erste öffentliche Kranzniederlegung, an der unter Anderen auch NPD-Mitglieder teilnahmen. In den ersten beiden Jahren waren die Nazis bei ihrem „Gedenken“ unbehelligt, 2007 fanden schließlich kleinere spontane Gegenaktivitäten statt. Auch 2008 waren die Proteste noch nicht langfristig geplant. Es fand eine spontane Gegendemonstration zur Kundgebung der Nazis statt, die jedoch von der Polizei gestoppt wurde. Auch kam es zu Protesten direkt bei der Kundgebung.

2009 kam es dann zu einer (genehmigten!) Nazi-Demo durch Bernsdorf, deren Zwischenkundgebung vor dem, damals noch bestehenden, alternativen Kultur- und Wohnprojekt „Reitbahnstraße 84“ stattfand. Im Jahr 2009 wurde das Chemnitzer „Gedenken“ zum ersten mal öffentlich kritisiert, es gab das „Friedensfest Bernsdorf“ vor dem alten Kinderheim und massiven Protest gegen die Kundgebung an der Reitbahnstraße.

Auch 2010 mobilisierten die Rechten wieder zu einem „Trauermarsch“, rund 500-600 Faschisten folgten diesem unter dem Motto „Die Opfer waren unsere Familien. 5. März – Wider dem Vergessen!“. Die Polizei „verkürzte“ die Strecke der Nazis, da symbolische Proteste durch das Bürger_innen Bündnis „Chemnitz Nazifrei“ an der Route der Nationalsozialisten stattfanden. Die Antifa-Demonstration „Das Tränenmeer trocken legen“ wurde untersagt und von der Polizei „gekesselt“ und behindert. Am Abend wurde ein Nazi-Liederabend veranstaltet.

2011 riefen städtische Persönlichkeiten, unter ihnen Barbara Ludwig, dazu auf, sich an Protesten gegen die Nazis zu beteiligen. Den über 500 Faschisten wurde es durch einen massiven Polizeieinsatz ermöglicht, durch die Chemnitzer Innenstadt zu marschieren. Am 5. März 2011 wurde in unterschiedlicher Form protestiert. Es fand ein „Demokratie-Picknick“ als symbolische Blockade statt. Das AJZ musste kurzfristig von der eigenen Demonstration demobilisieren, da diese am Abend vorher umgelegt wurde. Die dennoch erschienen rund 80 Teilnehmer wurden von fast 3 mal so vielen Polizisten in die Innenstadt begleitet. Dort wurde mehrmals versucht, den „Trauermarsch“ der Nazis durch Blockaden zu behindern. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein um den Rechten die Demonstration über den Innenstadtring zu ermöglichen.

„Gedenken verpflichtet“ – unter diesem Motto marschierten auch im vergangenen Jahr Hunderte Neonazis durch das das Chemnitzer Stadtzentrum und den anschließenden Stadtdeil Bernsdorf.  Während sich bei der städtischen Veranstaltung auf dem Neumarkt rund 2500 Teilnehmer einfanden, um den Chemnitzer Friedenstag zu begehen, fand auch in unmittelbarer Nähe der Nazi-Route Protest statt. An einer Demo von der Universität an der Reichenhainer Straße in Richtung Zentrum nahmen ca. 500 Leute teil. Am Hauptbahnhof sammelten sich weitere 2500 Menschen um an einer vom Bündnis „Chemntiz Nazifrei“ und dem antifaschistischen Kulturbündnis „Supersonic“ organisierten Kundgebung mit anschließender Demonstration teilzunehmen.

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