„Tatort Chemnitz“

ab 17:00 Uhr | TU Mensa | StuRa Chemnitz

188197_297724130353509_294450737_n

Aufruf:

Wie seit Jahren üblich werden am 5.3. in Chemnitz wieder Nazis marschieren, um ihrem geschichtsverfälschenden und menschenverachtenden Weltbild auf der Straße Gehör zu verschaffen. Mit einem sogenannten „Trauermarsch“ werden sie den „Opfern“ der Luftangriffe auf Chemnitz gedenken und die Bombardierung somit entkontextualisieren. Allerdings trauern an diesem Tag nicht nur Nazis. Auch Bürger_innen der Stadt reihen sich auf dem Marktplatz ein, ihrer Trauer um die Toten Ausdruck zu verleihen. Dabei wird gerne vernachlässigt, dass Chemnitz zur Zeit des Nationalsozialismus ein Tatort war. Neben der Tatsache, dass Chemnitz nicht als Hort der Widerstandsbewegung verstanden werden darf, wurden hier beispielsweise Motoren für Panzer gebaut, die dem Krieg an der Ostfront noch eine entscheidende Wendung geben sollten. Darüber hinaus wurden im KZ Sachsenburg seit 1933 Methoden getestet, welche später auch in anderen Vernichtungslagern zur Anwendung kamen.

1999: Die 23jährige Beate Zschäpe tauchte mit ihren „Kameraden“ Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Chemnitz unter. Die Stadt galt damals schon als Hochburg der bundesdeutschen Neonazi-Szene und sie fanden problemlos Unterschlupf. Mit Banküberfällen und einem bewaffneten Raubüberfall in einem Supermarkt, wo sie vermutlich das erste Mal auf einen Menschen schossen, besorgten sie sich das nötige Kleingeld. Außerdem erhielten sie Spenden aus der Szene, um ihren späteren Feldzug gegen alles, was für sie fremd und „nicht-lebenswert“ erscheint, zu beginnen. Viele Jahre später erregten sie im Jahr 2011 unter dem Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ mediale Aufmerksamkeit. Eine großangelegte und vor allem tiefgreifende Debatte über Ursachen und Verantwortlichkeiten, sowie Möglichkeiten zur Verhinderung hätte entstehen müssen, die aber von vielen Seiten heruntergespielt und Skandale in der Ermittlung verherrlicht wurden (Bezeichnung als „Pannen“). Die Kompetenzen des Verfassungsschutzes wurden ausgebaut anstatt beschränkt. Der Verfassungsschutz konzentriert heute noch immer verstärkt auf sogenannte „linksextremistische“ Gruppierungen und Personen. Das konkrete Problem wird also nicht erkannt bzw. benannt, obwohl es offensichtlich ist: Rassismus.

Und heute? Jedes Jahr aufs Neue bekundet die „bürgerliche Mitte“, in Chemnitz sei kein Platz für Nazis. Die Realität sieht anders aus: das „Nationale Schulungszentrum“ in der Markersdorfer Straße sieht sich wenig bis keinem Widerstand aus der selbsterkorenen „Zivilgesellschaft“ ausgesetzt. Dem Bedarf an nationaler Mode wird unbehelligt durch vier Shops (Backstreetnoise, Rascal, Tonsberg, Waffen-Army-Shoes) Rechnung getragen. Ebenfalls weitgehend unkommentiert: PC-Records, ein in Chemnitz ansässiges neonazistisches Musik-Label, veröffentlichte einen Song, der die sogenannten „Dönermorde“ (sic!) glorifiziert. Auch wenn die Vorstellung einer Gesellschaft ohne Nazis schön ist, können sie in Chemnitz ungestört ihren Aktivitäten nachgehen. Aus diesem
Grund sollte Antifaschismus nicht nur am 5.3. auf der Tagesordnung stehen, sondern an allen Tagen des Jahres gelebt werden. Menschenverachtende Einstellungen sind kein Randphänomen, sondern tief in der Gesellschaft verankert. Studien wie beispielsweise „Mitte im Umbruch“, herausgegeben von der Friedrich-Ebert-Stiftung, zeigen immer wieder, dass sich diese auch in der sogenannten Mitte der Gesellschaft spiegeln. Menschenverachtende Einstellungen und deren Umsetzung in der Praxis sind ein gesamtgesellschaftliches Problem, das es zu bekämpfen gilt.

Deshalb rufen wir zur Teilnahme an der Demonstration des Studentinnenrates auf. Demonstriert gemeinsam mit uns gegen Rassismus und alle menschenverachtenden Einstellungen! Kommt nach vorne!

Advertisements