„Refugees welcome“ – 1300 Teilnehmer bei antifaschistischer Demonstration in Schneeberg

Etwa 1300 Menschen haben am Samstagnachmittag in Schneeberg gegen rassistische Hetze gegen Asylbewerber demonstriert. Anlass war ein Fackelzug, welcher vom NPD-Kreisvorsitzenden Stefan Hartung organisiert wurde. Diesem schlossen sich rund 1000 Personen an. Am Rande der menschenverachtenden Demonstration wurde ein Fotograf von einem Teilnehmer verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Foto: fünfterdritter

1300 Menschen zeigen Solidarität mit Flüchtlingen

Zu einer Demonstration unter dem Motto „Refugees welcome – Gegen den rassistischen Mob in Schneeberg und überall“ hatte die Initiative sächsischer Antifa- und Antiragruppen aufgerufen. Weit über 1000 Menschen folgten dem Aufruf und versammelten sich gegen 15:00 Uhr am Stadtrand. Die ursprünglich geplante Demo-Route wurde durch die Stadt untersagt, so musste eine Alternativroute über die B169 gewählt werden. Gegen 16:00 Uhr setzte sich der Demonstrationszug lautstark in Bewegung.

„Derzeit erleben wir einen Kniefall der sächsischen Landesregierung vor dem rassistischen Mob“, erklärte Sprecherin Lea Hoppe die Hintergründe der Veranstaltung. „Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Innenminister Markus Ulbig verkünden stolz, dass Sachsen bereits Abschiebemeister ist, und dass sie sich dennoch für eine weitere Verschärfung des Asylrechts einsetzen wollen“, setzte Hoppe fort. Die Demo erreichte gegen 17:30 Uhr die Schneeberger Innenstadt und kam in unmittelbarer Umgebung des Marktplatzes für eine Zwischenkundgebung zum Stehen. 

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Rassistischer „Lichtellauf“ verzeichnet Teilnehmerrückgang

Gegen 18:00 Uhr versammelten sich auf dem Schneeberger Markt rund 1000 Menschen, um gegen das Asylbewerberheim am Stadtrand zu protestieren. Vor zwei Wochen waren es noch etwa 2000 Personen. Dennoch zeigten die Reden schnell die tief verankerte rassistische Ideologie auf, so wurde neben Asylbewerbern auch gegen den Schneeberger Pfarrer, die Bundesrepublik Deutschland und nicht zuletzt die Europäische Union gehetzt. Gegen 19:30 Uhr setzte sich die Menge mit Fackeln und Knicklichtern in Bewegung und zog eine etwa vier Kilometer lange Route durch die Erzgebirgsstadt. Immer wieder stimmten die 1000 Menschen, unter ihnen viele bekannte Neonazis und Funktionäre der NPD, „Wir sind das Volk“-Sprechchöre an. Auch „Die Straße frei, der deutschen Jugend“ wurde skandiert, generell war die Stimmung vieler Personen sehr aggressiv und aufgeladen. Im dichten Schneeberger Nebel sorgte der Fackelmarsch für eine schockierende Atmosphäre.

Drohungen gegen Journalisten – Angriff auf Fotograf

Im Verlauf der rassistischen Demonstration kam es zu einem Übergriff auf einen Fotografen. Als der von der Polizei begleitete Zug die Hartensteiner Straße erreichte, wurde der Journalist von einem Teilnehmer aus der „Schneeberg wehrt sich“-Veranstaltung mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Anschließend wurde er gegen eine Hauswand gestoßen und schleuderte schließlich auf die Motorhaube eines geparkten Fahrzeugs. Erst als weitere Journalisten die Polizisten informierten, griff diese ein. Der Vorfall ist sinnbildlich für die gesamte Veranstaltung. Während die Teilnehmer „Mut zur Demokratie“ forderten, versuchten sie mit unhaltbaren Methoden eine objektive Berichterstattung durch die Presse zu verhindern.

Bereits im vorherigen Verlauf der Kundgebung kam es zu Bedrohungen gegen verschiedene Pressevertreter. Als sich die Journalisten bereits da an die Polizei wandten, wurden sie mit der Frage „Warum laufen Sie auch hier mit?“ abgewiesen. Der verletzte Fotograf musste vom Rettungsdienst ins Krankenhaus gefahren werden, zugleich entstanden Schäden an Kamera und Objektiv.

Foto: fünfterdritter

Fotos und Text: fünfterdritter
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