„Eine Nazi-Demo und der neue Kurs der Polizei“

Die Dortmunder Polizei hat sich verändert. Statt wie eine Besatzungsmacht trat sie im Umfeld der gestrigen Proteste gegen die Nazi-Demo als Teil der Stadtgesellschaft auf. Ein Bericht von Stefan Laurin.

Ja, die Nazi-Demo in Dortmund fand gestern statt. Und ebenfalls ja, die Polizei unterband kleinere Versuche, sie durch Blockaden aufzuhalten.  Und doch war am Samstag in Dortmund vieles anders. Schon im Vorfeld hatte die Polizei ihr Bedauern darüber geäussert, dass die Demo nicht verboten werden konnte. Sie hatte sich in einer  Pressemitteilung auf die Seite des Protestes gestellt und das durch allerlei Maßnahmen im Vorfeld der Nazi-Demo auch deutlich gemacht: Razzien im braunen Milieu,  ein paar Festsetzungen örtlicher Nazi-Promis und das Verbot einer  Spontandemo der Nazis in der vergangenen Woche machten  klar, auf wessen Seite die Beamten stehen.


In Dortmund hat sich vieles geändert, seitdem Norbert Wesseler Polizeipräsident ist. Ihn und Oberbürgermeister Ullrich Sierau verhöhnten die Nazis gestern auf ihren Transparenten. Darauf können beide stolz sein, es zeigt den Erfolg ihrer Arbeit. Unter Wesselers Vorgänger Schulze schwärmten die Nazis noch von der guten Zusammenarbeit mit der Dortmunder Polizei. Das ist vorbei. Die Polizei wurde für die Nazis innerhalb weniger Monate vom Partner zum Feind. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, war es in Dortmund jedoch lange nicht.Polizisten plauderten im Westpark mit Autonomen, die Bürger an den Sperren wurden freundlich behandelt, Familien auch ohne Kontrollen der Ausweise durchgelassen. Es herrschte gestern keine aggressive Atmosphäre in der Stadt. Es hat sich eine Menge geändert in Dortmund.

Das merkte man auch an den Orten der Auftakt- und Abschlusskundgebung der Nazis.  Es gab gestern wohl kaum eine windigere und kältere Ecke als die Mulde zwischen Harenberg-Center und Bahndamm, wo der  Naziaufmarsch begann. Polizeiwagen bildeten eine Wand zwischen Kundgebungsort und Wall. Der Verehr floss fast den ganzen Nachmittag ohne Störungen, die Nazis blieben fast unsichtbar. Die Demo selbst geriet zum Spießrutenlauf, vorbei an Gegendemonstranten, die die Nazis beschimpften und verhöhnten. Früher unterband die Polizei in Dortmund jeden Protest in Nähe der Nazis – gestern ließ sie ihn zu – zum ersten Mal bei einer Demo seit 2005 –  und schützte die Demonstranten vor den Nazis, als die sich auf einen Mann stützen wollten, der zwei halbvolle Luftballons mit Wasser auf sie warf.

Sicher, Dortmund ist noch immer eine Nazihochburg. Und es ist nicht nur die Aufgabe der Polizei, das zu beenden. Aber mit der Einrichtung der Task Force gegen die Nazis in Dorstfeld, der Taktik der Nadelstiche gegen die Braunen, der Drohenden Räumung des Nazi-Zentrums an der Rheinischen Straße und der Offenheit gegenüber Protesten sind Stadt und Polizei dabei, ihren Teil zur Lösung des Problems beizutragen. Den Rest, den Großteil der Arbeit, müssen alle Bürger gemeinsam leisten. (ruhrbarone)

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