„Trauermarsch“ am 5. März?

Mit welchem Hintergrund Neonazis jedes Jahr wieder versuchen, Anfang März durch die Chemnitzer Innenstadt zu marschieren.

Foto: flickr.com/photos/_timl (CC)

Jedes Jahr am 5. März laufen mehrere hundert Rechtsextreme durch die Chemnitzer Straßen. An diesem Datum jährt sich der Luftangriff der Alliierten auf die Innenstadt von Chemnitz und ausgewählte Fabriken, in denen unter anderem Motoren für deutsche  Panzerkampferwagen hergestellt wurden. Im Januar 1945 erhielten die britischen Luftverbände den Auftrag, Angriffe gegen die noch vorhandenen Ballungszentren in Mitteldeutschland zu fliegen, welche dann am 13./14. Februar in Dresden und am 5.März in Chemnitz erfolgten. Dabei wurde die Innenstadt größtenteils zerstört und am folgenden Tag erklärte die Luftaufklärung der Alliierten Streitkräfte Chemnitz für eine tote Stadt. Für die Nazis eine Gelegenheit, jedes Jahr einen sogenannten Trauermarsch abzuhalten, welcher die Deutschen als Kriegsopfer darstellt und die Taten der Alliierten als barbarisch und unbegründet bewertet. Die Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten wie etwa der von ihnen praktizierte Antisemitismus, die systematische Tötung geistig oder körperlich behinderter Menschen und die zahllosen Kriegsopfer, die der 2. Weltkrieg nach sich zog, werden bei den Neo-Nazis geschickt verdrängt.

Mit teilweise absurden Argumenten wird versucht, die ihnen vorgehaltenen Verbrechen des 3. Reiches zu entkräften, indem Argumente wie: „Das deutsche Reich hat sich nur gegen das Eindringen der anderen Länder verteidigt“ zur Sprache kommen. Eine Methode, die bei den Mitgliedern der NPD und den Neo-Nazis weit verbreitet ist, um auch Leute darauf aufmerksam zu machen, die ansonsten nichts mit Rechtsextremismus zu tun haben oder sich ihm zugehörig fühlen. Sprüche wie „Alliierter Bombenangriff=geplanter Massenmord“ oder „Die Opfer waren unsere Familien“ unterstreichen dies noch und zeigen, dass sich Neo-Nazis oftmals auf diese Denkweise beschränken und nicht oder nur selten eine andere Meinung zulassen und diese tolerieren. Intolerant sollte allerdings auch die Bevölkerung sein, nicht gegen andersdenkende Menschen, sondern gegen Nazis, die diese Denkweise des unschuldigen Nazideutschlands verbreiten wollen, an Schulen, in der Politik, überall, wo sie die Gelegenheit haben, braunes Gedankengut zu verbreiten. Schau nicht länger weg! Gegen Nazis auf die Straße!

(Diesen Text findest du auch in unserer Schülerzeitung)

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